Kenia

Afrika-0035
21.-22.AUG

Die Fahrt nach Tanga und von dort aus am nächsten Tag nach Mombasa verläuft recht ereignislos. Ich habe diesmal das Glück, mit einem alten Bus die Reise nach Tanga machen zu können. Die Fahrt über die sehr holprigen Straßen in Richtung Tanga verläuft entlang einer alten deutschen Schmalspurbahn. Wir verlassen Lushoto morgens um 9 Uhr. In Tanga, 300 km weiter westlich, kommen wir nachmittags gegen halb 4 an. Die ständige Anquatscherei der Einheimischen, die in mir nichts als das Goldene Kalb sehen, nehme ich inzwischen kaum noch wahr. Man stumpft ab. Die Stadt, die sich den Namen mit der Unterwäsche Teilt, entspricht absolut nicht meinen Erwartungen. Ich erwarte eine arabische Hafenstadt mit kleinen Gässchen. Stattdessen entpuppt sich Tanga als eine triste Grenzstadt ohne Flair.
Ich bin also froh, als ich am nächsten Tag in Mombasa ankomme.

An der Grenze zu Kenia muss ich durch DREI Passkontrollen. Drei Passkontrollen bei nur einer Grenze. Für mich absurd. Ich muss mal wieder sehr schmunzeln als dann auch noch Gepäckkontrollen durchgeführt werden. Da ist sie wieder die Alibiverantaltung. Sie machen Gepäckkontrollen, damit sie sagen können, dass Kontrollen durchgeführt werden. Es ist nichts als die Imitation westlicher Standards. Aber vollkommen sinnlos, da ihr Zweck die reine Imitation ist. Die Männer in Uniform fuchteln mit Piepsern an den Taschen herum. Es piepst. Es piepst ständig. Das scheint aber keinen zu interessieren. Vorranging geht es darum, dass sie eben mit Piepsern ausgestattet sind. Ihren Stolz darauf sieht man ihnen förmlich an. Eine Show mit geschwollener Brust.

Abends in Mombasa angekommen, holen mich Marie, die der eigentlich Grund der Reise nach Afrika war, und Kiddy, mit der ich mich vor einer Woche auf Sansibar unschön getrennt hatte, ab. Ich weiß nicht so recht, wie ich mich ihr gegenüber verhalten soll, beschließe dann aber, nicht mehr über unsere Differenzen zu reden und so zu tun als wäre nichts gewesen. Ich werde die nächsten Tage mit ihr verbringen müssen und sie danach vermutlich nicht wiedersehen. Wir fahren mit dem Tuk-Tuk nach Bamburi, einem Vorort. Die Nacht verbringen wir in der krassesten Absteige, die ich je betreten habe. Mit unserem „Hotel“, in dem man die Zimmer auch für nur zwei Stunden für die Hälfte des Tagesspreises mieten kann, haben die Mädchen kein Problem. Ich schon.

An meinem Zimmer blättert die grüne Wandfarbe ab, der Boden besteht aus Beton. Die zwei verrosteten Gitterstäbe im ausladenden Fenster wirken beruhigend. Im Zimmer steht ein zusammengezimmertes Doppelbett. Eine Lattenkonstruktion inklusive Mückennetz soll daraus eine Art Himmelbett machen. Wären da nicht die Löcher im versifften Mückennetz und die Flecken auf dem Bett, könnte man es rustikal nennen. An der Wand hängt der Zettel, der mich erahnen lässt, woher die Flecken auf dem Bett kommen. Zwei Stunden Zimmer kosten 800 Schilling – Zwei Euro. Als ich das Licht anmache fasse ich es nicht, muss dann aber verdutzt lachen. An der Wand leuchtet eine blaue Neonröhre auf. Es ist dieses Blau, welches man sonst nur auf Bahnhofsklos findet, damit Fixer ihre Adern nicht finden. Das also auch noch. Du bist ein Mann, es ist alles in Ordnung. Man soll ja nicht pingelig sein.

 

23.AUG

Die Busfahrt nach Lamu dauert acht Stunden. Straße kann man es wahrlich nicht mehr nennen über die sich unser Bus zeitweise über Stunden quälen muss. Bei zwei Schlaglöchern fliege ich fast über meinen Vordersitz eine Reihe weiter, kann mich dann aber noch festhalten. Mein Steißbein tut langsam weh. Ich bin müde. Schlafen geht nicht. Lesen geht nicht. Mein Ipod ist leer. Großartig.

Lamu ist schön, und wirklich jeder will einem eine Bootsfahrt verkaufen. Es gibt keine Autos oder andere motorisierte Fahrzeuge. Alles wird mit Eseln transportiert. Einheimische Jugendliche reiten unglaublich lässig in ihren Arsenal-Trikots auf Eseln an einem vorbei. Ich höre, dass ihnen bei Vergehen als Strafe der Esel-Führerschein abgenommen werden kann, was wohl die Horrorvorstellung eines jeden Jugendlichen mit tiefergelegtem Esel-Hengst ist.

 

Bis zum 26.August

Wir verbringen drei ereignislose, sehr ruhige Tage auf Lamu. Die Stadt erinnert ein wenig an Stonetown auf Sansibar. Die Insel ist auf der zum Festland gewandten Seite von dichten Mangrovenwäldern eingerahmt. Auf der anderen, dem Ozean zugewandten Seite gibt es lange Sandstrände und ausgedehnte riesige Dünen. Außer der Stadt Lamu soll es noch vereinzelt Dörfer auf der Insel geben. Lamu-Stadt liegt an einem Hang. „Unglaublich praktisch“ dachten sich sicher die Gründer und Erbauer der Altstadt. In allen Gassen kann man beobachten wie das, was der Nachbar gestern zu sich genommen hat, an einem vorbei, Richtung Meer schwimmt. Die Kanalisation ist oberirdisch und die Scheiße nimmt den Weg des geringsten Widerstandes.

Auf Lamu bekommt man den günstigsten Alkohol in der Polizei-Station. Alle anderen kaufen ihn dort ein, um ihn dann teurer weiter zu verkaufen. „Sorry, what did you say? Didn’t you say at the Policestation!? ..a beer?“ Auf dem ebenfalls islamischen Lamu wird das Recht kenianischer Bürger auf ein Glas Bier durch die Polizeigewalt gegen die Scharia durchgesetzt. Ich muss laut lachen, als mir dieser Widerspruch zwischen Sittengesellschaft einerseits und dieser unglaublich pragmatischen Lösung andererseits bewusst wird. In vielen Ländern, die weniger prüde sind, sorgen die Ordnungshüter für Restriktionen rund um den Alkohol. Hier sorgen sie dafür, dass auch ein jeder sein Bürgerrecht auf eine ordentliche Dröhnung wahrnehmen kann. Zur Not verkaufen die Bullen das Zeug eben selbst. Großartig!
Am vorletzten Abend auf Lamu treffe ich einen Deutschen, der Afrika von Südafrika quer über Namibia nach Kenia durchreist hat. Er ist fünf Jahre älter als ich und ich bin froh, mal wieder mit einem Kerl reden zu können. Diese weibliche Dominanz die sich vor allem in den Tagesabläufen bemerkbar macht, ist doch sehr belastend. Bummeln, Kaffee trinken, Bummeln, etwas süßes kaufen, an den Strand gehen und auf dem Weg ständig stehen bleiben und sich irgendwelchen Kram anschauen, oder noch schlimmer: anprobieren. Am Abend gibt‘s dann nach meinen Überredungskünsten maximal noch ein Bier und dann geht’s früh mit einem Tee ins Bett.

Mein Tag sähe mit männlichen Kollegen völlig anders aus und würde irgendwo zwischen Erkundungstour, Strand, Gin-Tonic und Essen liegen. Mit dem Reisenden trinke ich noch 5-6 Bier in einer Kneipe auf einem Hausdach. Es stellt sich heraus, dass er an dem Tag an dem ich aus Lushoto abgereist bin, dort ankam und die Dänin kennen gelernt hat. Ich kam ihm wohl auch irgendwie bekannt vor und er meinte, mich in Lushoto gesehen zu haben. Die Dänin hatte anschließend nach meiner Abfahrt einen Malaria-Anfall. Er ist noch drei Tage bei ihr geblieben und hat sie nach Tanga ins Provinzkrankenhaus gebracht. Die Welt ist doch klein und viele Wege sind die Gleichen.

Abgesehen von den ungefähr 15 Versuchen pro Tag uns eine Bootstour anzudrehen genieße ich die Ruhe. Die Rückfahrt nach Mombasa war wieder ätzend. 7 Stunden Buckelpiste..Die vier darauf folgenden Tage mit Marie in Mombasa sind schön. Nach weiteren zwei Tagen in unserem Lusxus-„Hotel“ wechseln wir endlich in ein benachbartes. Der Besitzer lässt fast nicht mit sich handeln, aber letztendlich kriegen wir das Zimmer dann doch für umgerechnet 6$ am Tag. Wir verbringen viel Zeit im Barnabas, dem Projekt in dem Marie gearbeitet hat, spielen mit den Kindern und verbringen unsere Zeit am Strand und mit Essen.

Der Rest:

Auf Sansibar habe ich sie schon kennen gelernt, in Mombasa sind sie auch. Und auch hier sind es gar nicht wenige. Die Beachboys. Durchtrainierte Typen auf der Jagd nach weißen willigen Frauen oder eher nach ihren Geldbeuteln. War ihre Beute auf Sansibar teils Frischfleisch, dazu eventuell noch ganz gut aussehend, kommt es in Mombasa nur noch auf die Hautfarbe an. Welkes europäisches Fleisch, welches sich willig in die Hände schwarzer muskulöser Beachboys begibt. Teilweise, so scheint es, sogar im Mutter-Tochter Gespann. Ein Thailand der Frauen. Was der fette Franz in Phuket, ist die Ulla mit Hängetitten in Ostafrika. Man hört von Frauen, die anschließend daran glauben wollen, ihre große Liebe gefunden zu haben und bitter enttäuscht wurden. Wenn Blödheit bestraft werden muss, dann bitte hier. Bei all der Häme bestreite ich gar nicht, dass sich die fette Sindy und ihre Mutter Petra ihre zwei Wochen Vaginalmassage redlich verdient haben, aber diese naive Blödheit tut beim Hinschauen weh.

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