Tansania

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17.AUG – DAR-ES-SALLAM

Morgens früh um 8 Uhr geht die Fähre nach DAR. Es ist ein ausgemustertes Hochgeschwindigkeitsschiff aus Skandinavien. Die nørwegischen Hinweisschilder sind noch überall an den Wänden. Sie sind an jeder Tür und an jedem Gang, wirken jedoch neben Hühnerkäfigen, zwei Eseln und Vollverschleierten Frauen ziemlich deplatziert. Ich muss schmunzeln. Ich stehe an der Reling während die Fähre Fahrt aufnimmt. In der Ostsee ist der Seegang sicher ruhiger. Der Platz an Deck füllt sich. Das Wetter ist schön und über die Reling spritzt mir gelegentlich die Gischt ins Gesicht. Bei dem Wellengang fliegt das Boot streckenweise durch die Luft. Dazu passt, dass mittlerweile neben mir über zehn, sich ständig übergebende Personen, auf Decken liegen und es werden immer mehr. Als wir uns dem Hafen nähern, ist das Deck voll. Mir ist zugegeben auch etwas Flau. Im Innenraum begegne ich den zwei Schotten von gestern Abend. Wir vereinbaren, dass sie sich in den nächsten Tagen bei mir melden werden, daraus wird aber nichts.

Es ist immer wieder speziell und aufregend mit einem vollbeladenen Backpack durch eine fremdartige Stadt zu laufen. Schilder sind anders, die Orientierung muss sich umpolen. Gottseidank bin ich Stadtmensch. Mit Olivah habe ich mich im Moka City verabredet. Ich hab’s, Gott sei Dank, nach etwas umherirren gefunden und bin wieder zurück in der Zivilisation. DAR hat drei Millionen Einwohner und ist recht hässlich, aber ich fühle mich wohl. Der Flow ist wieder da. Ich bin allein unterwegs und zuversichtlich. Sansibar liegt hinter mir, Kenia und der Rest Tansanias vor mir. Ich trinke einen Eiskaffee und warte auf Olivah.

Ich kann mir das alleine Reisen, besonders auf den Großen Routen der Welt, immer besser vorstellen. Wenn ich in Afrika Holzklasse fahren kann, kriege ich das auch in Indien, China, Südamerika oder sonst wo hin. Einsam bin ich nicht, wenn bzw. weil ich die ganze Zeit Leute kennen lerne.

Wenn es nicht bald besser wird, lernt mein Arsch heute noch sehr viele Kloschüsseln kennen. Kontaktfreudig mal anders. Gestern muss ich mir irgendwo den Magen verdorben haben. Neue Erkenntnis für Dumme: Abends ist „frisch“ relativ. Hast du Gammel am Abend gegessen, wird es dir dein Magen nicht vergessen. So, oder so ähnlich.

Als dann das Taxi neben mir bzw. dem Café steht und alles ganz schnell gehen muss, vergesse ich natürlich das Bezahlen. Wie panisch dieser kleine Blacky-Boy Kellner gerannt ist! ..verplant. Die zwei Tage in Dar sind super-geil! Im Taxi lerne ich Debbie kennen. Sie macht irgendwas mit Medien und hat das letzte Jahr bei einer Werbeagentur in Adis-Abeba gearbeitet. Eigentlich ist sie Schweizerin, hören tut man das aber nicht. Sie zieht in Kürze nach Frankfurt und wollte dann mal´n Abstecher nach Köln machen. Die Unterkunft, in der ich mich zwei Tage von Olivah einquartieren lasse, ist für mich umsonst. Voll gut!

Wie auch immer, harter Alkohol hat das Problem mit meinem Bauch hoffentlich gelöst. Im Vorort von Dar trinken Debbie, Oli und Ich dann noch ein paar Bier und Konjagis und schwingen uns anschließend mit noch anderen Freunden von Oli in ein Paar Tuk-Tuks, um uns auf einer Party im Botschaftsviertel wieder zu finden. Echt der Hammer, wo ich überall lande! Ein paar Stunden, ein paar Bier und einen Joint später machen wir uns wieder auf zur nächsten Party. Es ist eine richtig große Beach-Party und ich lasse, obwohl wir an der Schlange vorbei und umsonst hinein kommen, an dem Abend gut Geld dort. Olivah schmeißt sich die ganze Zeit ziemlich an Debbie ran. Wir verlassen die Beach-Party so gegen drei Uhr und machen auf dem Weg nach Hause noch einen Zwischenstopp bei einem Nachtmarkt um etwas zu essen.
Debbie stößt es ziemlich auf, dass wir Oli die ganze Zeit sponsern. Ich halte das für normal. Verglichen mit dem was wir durch ihn an Möglichkeiten haben, ist er ein Joker.

 

18.AUG

Wir besuchen einen Markt und ich bin auf der Suche nach einem anständigen Paar Flip-Flop’s. Ich werde nicht fündig, kaufe mir aber stattdessen ein Paar aus Autoreifen. Ich finde Sie witzig und sie kosten fast nichts. Auf dem Markt werden wir so massiv bedrängt, dass wir schließlich flüchten müssen. Es war schrecklich und keinem Weißen zu empfehlen. Nicht genug damit, dass sie einen umzingeln und auf einen einreden. Man wurde festgehalten und wir kamen nur schwerlich aus dem Markt heraus. Der Tag dann entwickelt sich zu einem Ausflug durch Dar. Es ist eigentlich doch ganz schön. Ein bisschen so, wie ich mir Beirut vorstelle. An einem Indischen Hakenkreuz-Tempel machen wir ein Foto. Mit einem Bus und anschließend mit einer Fähre bringt Oli mich und Debbie zum Stadtstrand. Dort treffen wir Olis Familie und die Übrigen, die wir bereits gestern kennen gelernt haben. Wir verbringen den restlichen Tag am Strand. Es ist wunderschön. Durch den Tag am Strand haben Debbie und ich Lust auf Seafood. Aber der anschließende Besuch in dem Restaurant war wieder einmal etwas, was man klar in die Kategorie ‚Unnötig‘ verbuchen kann. Touri-Falle.

 

19.AUG

Mein Bus nach Lushoto im Norden Tansanias geht um 9 Uhr ab. Mit dem Tuk-Tuk am, nennen wir es Busbahnhof, angekommen, renne ich einem Typen hinterher anstatt Oli und Debbie. Er rennt in einen Verkaufsraum für Tickets. Erst dort fällt mir auf, dass er ein Fremder ist. Ein kleiner Sprint aus dem Büro, der Menge hinterher und ich bin wieder bei meinen Freunden. Ziemlich irritiert gucken Debbie und Oli mich an, weil ich auf so eine billige Masche herein gefallen bin. Der Abschied ist herzlich. Debbie und ich beschließen, uns später in Deutschland noch einmal treffen zu wollen.Afrika-0014

China exportiert massenhaft Busse, Autos, Elektro-Kram und den üblichen Schrott nach Tansania. Für die Afrikaner mag das gut sein. Besser ein Billig-Motorrad als keines; besser eine schlecht gemachte neue Straße als die alte. Nur bei Busunternehmen hört der Spaß dann für mich auf! Bei allem Verständnis! Chinesen sind halt einfach zwanzig Zentimeter kleiner als ich. Da kann der Bus noch so viel Bling-Bling mitbringen, ich bevorzuge dann doch die ranzige, aber wegen der Beinfreiheit für mich komfortablere Rostlaube aus westlicher Produktion. Ergo: die Busfahrt nach Lushoto ist der Horror. Gottseidank schlafe ich (schlecht) und so bleiben mir fünf der insgesamt 11 Stunden erspart.

Kurz vor Lushoto steigt Happy, mein späterer Guide, ein. Ich habe wieder einmal Glück, denn später erweist sich Happy als „Eier legende Wollmilchsau“. Innerhalb von einer Stunde habe ich mein Hotel, ein Abendessen, den Bus für die Rückfahrt und eine Wandertour für den nächsten Tag organisiert. Ich habe mich dafür entschieden, eine Nacht länger in Lushoto, ehemals Wilhelmstal, zu bleiben. Der kleine Zwischenstopp auf dem Weg nach Tanga ist also doch zu einem Zwei-Tage-Turn mit Wandern geworden. Für tansanische Verhältnisse ist Lushoto sehr sauber. Die deutsche Geschichte ist doch ziemlich präsent, wenn man danach Ausschau hält. Am Abend lerne ich Reimund kennen, er ist aus Lushoto und hier aufgewachsen. Es wird ganz lustig und wir gehen in eine Kneipe. Nach einer halben Stunde gehe ich dann aber doch Richtung Hotel und ins Bett.
Das Hotel ist nicht nur sehr günstig, sondern auch das sauberste und großzügigste, welches ich bis jetzt auf meinem Trip besucht habe. Da Wilhelmstal auf 1600 Metern liegt, ist die Luft sehr angenehm und es ist viel kühler als im Tiefland. Es zahlt sich zum ersten Mal aus, dass ich eine lange Hose und meinen Pullover dabei habe.

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20.AUG

Ich habe knapp 11 Stunden geschlafen; seit Monaten nicht mehr so gut und ausgiebig. Es ist recht kühl und ich mache mich auf den Weg zu der verheißungsvollen warmen Dusche. Watt is? Nix Is! Als ob ich es erahnt hätte, das Wasser ist eiskalt. Ich spare mir so also den Kaffee und komme gerade noch rechtzeitig zu meiner Verabredung mit Happy.

Auf dem Weg zum „Forrest“, der meiner Vorstellung von Regenwald absolut entspricht, kommen wir an einer Grundschule vorbei. Ich bin eine Riesenattraktion für die Kinder. „M’ZUNGU! M’ZUNGU!! (Weißer Weißer!!)“ rufen sie laut und folgen uns feixend durch eine alte Allee, die auf ein altes deutsches Herrenhaus zuführt. Als wir den Wald betreten, wird es schlagartig still. Die gedämpfte Stille wird nur durch das gelegentliche laute Brüllen der Affen und das Gezwitscher der Vögel unterbrochen. Auf halber Strecke zum Berggipfel, welcher der erste Aussichtspunkt ist, kommen wir an einer vergitterten Höhle vorbei, die eher wie ein Stollen anmutet. Beim Eintreffen der Engländer sollen sich die Deutschen in dieser Höhle versteckt haben, erzählt mir Happy. An diesem Tag sehe ich noch unzählige Chamäleons. Echt irre, diese Viecher in freier Wildbahn zu sehen. Am zweiten Aussichtspunkt bin ich überwältigt. Ich stehe auf einem Felsen. Ein Meter vor mir geht es geschätzte 600 Meter steil nach unten und ich habe einen Blick über die Weiten der Tansanischen Tiefebene. Es ist die ganze Zeit sehr lustig mit Happy, meinem Guide, nur am Ende bin ich doch sehr geschafft.

Im Internetcafé versuche ich ein paar Mal, meine geschossenen Fotos hochzuladen. Nach zwei Stromausfällen und einem grauenhaft langsamen Internet gebe ich aber auf und mach mich auf den Weg zum Markt, um ein Handtuch und jetzt noch eine SD-Karte zu kaufen. Mein altes Handtuch habe ich, glaube ich jedenfalls, in Dar-es-Sallam vergessen. Es dämmert schon und kurz bevor die Marktstände schließen, kann ich noch beides kaufen. Das Abendessen nehme ich an diesem Abend, nicht so wie gestern, in dem Touri-Restaurant meines Hotels ein. Es gibt endlich einmal etwas anderes als Reis: Pommes mit viel Huhn und Guakamole. Die Preise sind viel niedriger als auf Sansibar. Mich spricht eine Dänin an, ob ich mich nicht zu ihr und einer Einheimischen, Margarethe, setzen mag. Der Abend endet dann noch ziemlich lustig und betrunken in einem Klub. Wir haben vorher noch ein nettes Abendessen mit vielen Guides und Margarethe. Margarethe ist eine selbstbewusste Frau, die ganz genau weiß, wie sie ihren Spaß kriegt. Sie trinkt gut und feiert Nächte durch. Sie will sich nicht binden und ihr eigenes Geld verdient sie auch. Sie ist das Gegenteil der muslimischen Frauen auf Sansibar. Als ich nachts zurück zu meinem Hotel komme, sind alle Tore verschlossen. Ein wenig ratlos klettere ich über den Zaun. Von einem genervten und müden Nachtwächter, der extra auf mich gewartet hat, kriege ich meinen Schlüssel und falle ins Bett

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